Rhein Ruhr Marathon - Startnummer und Finishermedaille

Ich bin Deutscher Vizemeister, das Bayer Leverkusen der Marathonwelt. Also, jetzt nicht ich alleine, sondern ich, als Teil einer Vierer-Staffel, was bedeutet, dass ich nicht genau sagen kann, ob ich mit einer der Gründe für die gute Platzierung bin, oder ob die Gruppe trotz mir den zweiten Platz errungen hat. Mit einer Zeit von 03:49:49 waren wir zu viert auf jeden Fall signifikant langsamer als der Sieger, der die ganze Strecke alleine gelaufen ist.

Ach ja, da war noch was. Der Wettkampf, an dem ich teilgenommen habe, war jetzt nicht die Meisterschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, sondern die Sonderwertung “Deutsche Kirchenmeisterschaft”, die in den Duisburger Stadtmarathon eingebettet war. Die Teilnehmerzahl dieser Sonderwertung war mit 13 Staffeln dann auch recht überschaubar.

Richtig müsste es also heißen, dass ich Deutscher Kirchenvizemeister in der Marathon-Mixed-Staffel bin.

Genug der Einschränkung. Ich bin trotzdem stolz wie Oskar.

Wie kam es dazu? Ich bin während meiner Wettkampfplanung für dieses Jahr auf die Ausschreibung im internen Portal der Evangelischen Kirche im Rheinland gestoßen und dachte mir, dass das doch sicherlich eine lustige Sache werden wird. Ein Staffelrennen hatte ich noch nie bestritten. Warum also nicht einmal etwas neues ausprobieren? Kurzerhand habe ich mich also angemeldet und wurde damit Teil des Team Rheinland, ausgerüstet mit eigenem Teamlaufshirt, Trainingsplänen und dem Vergnügen an zwei Trainingseinheiten der Laufschule Düsseldorf by Bunert teilnehmen zu dürfen. An dieser Stelle geht eine Warnung in die weite Welt vor diesen Blackrolls. Vorsicht! Die Schmerzen werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Die Vorbereitung lief dann eher so lala. Bis ca. 8 Wochen vor dem Wettkampf lief mein Training richtig gut, abwechslungsreich und auf einem gutem Niveau. Dann erwischte mich eine Erkältung. Als diese auskuriert war folgten starke Hüftprobleme, die es mir nicht erlaubten vernünftig zu trainieren. Erst eine Woche vor dem großen Termin konnte ich wieder einigermaßen schmerzfrei laufen. Meine Fitnesswerte waren inzwischen im Keller, an die Geschwindigkeiten von vor der Krankheit war nicht zu denken und die vor mir liegende Wettkampfdistanz von 14km war auch zu einer Herausforderung geworden. Meine Muskulatur wollte da nicht so mitmachen, wie mein Willen es wollte.

Und wie lief das Rennen so? Nun, es war am Sonntag heiß, der erste richtig heiße Tag des Jahres. Die Sicherheit für die Distanz hatte ich mir in der kurze Vorbereitungszeit so gerade eben angeeignet. Der Respekt davor war aber immernoch groß genug. Außerdem kannte ich keinen meiner Mitläufer und wusste daher auch nicht, welche Anforderungen an mich herangetragen werden würden. Den Buhmann, der das Teamergebnis versaut wollte ich auch nicht unbedingt geben. Am Vorabend konnte ich dann doch noch eine Mitläuferin kennenlernen und das Gespräch mit ihr konnte mich etwas beruhigen, ebenso wie das Thema des Läufergottesdienstes, der zum Rahmenprogramm der Deutschen Kirchenmeisterschaft gehörte: “Wir sind schon Sieger”.

Also, Druck rausnehmen und den Lauf genießen.

Das wurde dann doch noch schwieriger als erwartet. Das Wetter wurde zu einer echten Herausforderung. Mein Körper war noch gar nicht an die hohen Temperaturen angepasst und auch ich war noch nicht auf dem Fitnessniveau des Frühjahrs. Eine echte Tortur. Und dann verlief der erste Streckenabschnitt auch noch durch ausgedehnte Gewerbegebiete, in der die Teilnehmer des Wettkampfs fast unter sich waren. Keine Zuschauer, nur Asphalt und die Sonne. Das war ein einsames Rennen und unterschied sich nur marginal von meinen Trainingsläufen. Irgendwann tauchte auf der rechten Straßenseite eine einzelne Sambagruppe auf, die uns mit ihrer Musik anfeuern sollte. Diese Erscheinung hatte, in diesem Kontext, schon fast etwas surreales.

In der Folgezeit veränderte sich das Umfeld dann doch merklich und die ersten Zuschauer tauchten am Streckenrand auf, die sich auch alle Mühe gaben dem ganzen eine würdige Wettkampfatmosphäre einzuhauchen. Besonders erwähnen muss ich die privaten Verpflegungsstände und die Wassersprenger, die hier und da aufgebaut wurden. Eine wundervolle Möglichkeit sich etwas abzukühlen. Warum aber am Wegesrand kein König Pilsener gereicht wurde, wird ein Rätsel bleiben. Egal, Wasser gab es genug, sowohl zu innerlichen, als auch zur äußerlichen Anwendung.

Der große Vorteil eines Staffelmarathons ist, dass man die Chance hat auch einmal andere Läufer zu überholen. In meinem Fall hatten die Überholten auch schon 7 Kilometer mehr in den Beinen, so dass man sich auf diesen Überholvorgang nicht wirklich was einbilden konnte. Der Überholvorgang war aber trotzdem gut für das Gefühl. Das ich gleich mehrere Zugläufer einsammeln konnte war in meiner konkreten Situation ein echter Gewinn für die Psyche und gab mir von Kilometer zu Kilometer mehr Sicherheit.

Am Ende war ich dann mit meiner Laufleistung ganz zufrieden. Es gab keine bösen Überraschungen, wenn ich mal davon absehe, dass meine Pulsfrequenz zu früh zu hoch war und sich auch nicht wieder beruhigen wollte. Wir hatten sogar die Möglichkeit als Staffelteam gemeinsam in der Schauinsland-Reisen-Arena ins Ziel zu laufen. Am Ende fehlten uns 26 Sekunden zum Titel, ein Wimpernschlag, was aber im Endeffekt vollkommen egal war, weil wir nicht damit gerechnet hatten überhaupt in diese Bereiche des Tableaus vorzudringen.

Was bleibt ist das Gefühl wirklich Spaß gehabt zu haben und die Erkenntnis, dass es bis zu meinem Jahreshöhepunkt im Oktober noch ein weiter Weg ist.