Startnummer Citylauf Grevenbroich

Wir müssen über Verpflegungsstationen bei Laufwettbewerben reden. Ich meine, das muss einem doch vorher mal gesagt werden. Also wirklich. Aber der Reihe nach.

Ich bin am Freitag zum ersten mal bei einem Wettkampf mitgelaufen. So richtig offiziell, 10km, mit Startnummer, Zeitnahme, Zuschauern und besagter Verpflegungsstation. Für mich war das alles Neuland. Tausende Fragen waberten durch meinen Kopf. Wann muss ich meine Startnummer abholen? Wie befestigt man die an seinem Laufshirt? Wo stelle ich mich beim Start auf? Wie finde ich in diesem Pulk meinen eigenen Laufrhythmus, wo ich doch sonst die Stille des Einzelläufers genieße? Werde ich den Lauf halbwegs würdevoll zu Ende bringen, oder irgendwann mit hochrotem Kopf am Streckrand sitzen bleiben? Und apropos sitzen: Sitzt die Frisur? Die Frage, die ich mir im Vorfeld nicht gestellt habe war: Wie schafft man es den, von freundlichen Helfern dargebotenen, Becher mit frischem Wasser unfallfrei zum Mund zu führen.

Um mich herum waren lauter Modellathleten, professionell gewandet, drahtig, kein Gramm Fett zu viel am Körper, mit vervollkommneter Technik, die sie eher über den Boden zu schweben ließen und nicht wie ich, der, schwer atmend und stampfend die nächste Erbebenmessstation zum Ausschlag bringend, über den Grevenbroicher Asphalt stolperte. Solchen Menschen schossen sicherlich nicht so viele Fragen durch den Kopf wie mir. Das war ihr Terrain. Hier kannten sie sich aus. Nicht so ich.

Am Ende half all das Grübeln nicht. Der Startschuss weckte mich aus meinen Gedanken und ich setzte meinen Körper in einer fröhlich erregten Masse in Bewegung. Am Anfang ließ ich mich einfach treiben und versuchte mich nicht zu sehr mitreißen zu lassen. Irgendwann dann lichtete sich das Feld und ich konnte mich gedanklich von den Menschen um mich herum abkoppeln und einfach nur Laufen. Das wollte ich doch tun, mich nicht von den Mitläufern kirre machen lassen, einfach nur den Abend genießen. Dafür hatte ich trainiert. Und so ging das vier Runden auch gut.

Doch dann war da auch noch diese Verpflegungsstation. Runde um Runde lief ich an ihr vorbei. Wozu sollte ich mich auch mit Wasser versorgen? Es war nicht sonderlich warm und eine Stunde kommt man auch mal ohne Wasser aus. Auf der anderen Seite kam es mir dann doch reichlich unhöflich vor jedes mal an diesen freundlich lächelnden Damen mit den ausgestreckten Armen vorbei zu hasten. Ich erinnerte mich an die Bilder von den großen Laufevents in den Metropolen dieser Welt, wo sich die Läufer, ohne das Tempo zu drosseln, einen solchen Becher griffen, ihn, ohne einen Tropfen zu vergießen, mit abgespreizten kleinen Finger, in einem Zug elegant leerten und sich anschließend, mit der zugehörigen gestärkten Leinenserviette kunstvoll den Mund abtupften, um sie kurz danach, ordentlich zusammengefaltet, dem nächsten Helfer wieder in die Hand zu drücken. So schwer konnte das also gar nicht sein.

Dachte ich.

Die Realität bei mir sah etwas anders aus. Ich bereitete mich also gedanklich auf die Aufnahme eines solchen Wasserbechers vor, steuerte zielbewusst auf die erste Helferin zu, ergriff den mir dargebotenen Becher und verschüttete erstmal die erste Hälfte des Inhalts über mein Shirt. Erst danach fand der Becher meinen Mund und der erste Schwung schwappte wenig elegant in Richtung meines Kinns, ehe sich am Ende doch noch eine homöophatische Dosis des Wassers ihren Weg in meinen Mund fand. Lediglich das anschließende Wegwerfen des Bechers gelang mir unfallfrei.

Am Ende hat mich diese wenig motivierende Erfahrung aber nicht davon abgehalten das Rennen mit einem beherzten Schlussspurt, Schulter an Schulter mit einem 20 Jahre jüngeren Mitläufer, zu beenden.

Was bleibt von diesem ersten Laufwettkampf außer einer Urkunde mit einer dann doch enttäuschenden Endzeit drauf? Es hat alles in allem Spaß gemacht. Ich kann Strecken, die länger sind als ein Volleyballfeld lang ist, durchgehend laufend bewältigen, ohne, dass am Ziel ein Sauerstoffzelt auf mich warten muss. Das ist für mich ein großer Erfolg. An der Zeit kann ich dann später arbeiten. Nur das mit der Verpflegungsstation hat mich nachdenklich gemacht. Entweder ich lasse das mit der Wasseraufnahme in Zukunft sein, oder ich übe das vorher mal.